Umwelt-Bilder


Sie sind beginnend in den 1960er Jahren entstanden, als für diese Problematik in der Allgemeinheit noch kein Bewusstsein bestand.  Die Kunst-Szene erlebte damals das Informel und dessen Ausläufer, schwelgte in der konsumgläubigen Pop-Kultur und zelebrierte happy Happenings. 

Die Originale der folgenden 11 Reproduktionen in einer Ausstellung zu zeigen  - das könnte, sollte und müsste geschehen !!  Alle Gemälde sind verfügbar.

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Rauchzeichen (1968) 60 x 50 cm*

Das Bild beschwört die Vergiftung unserer Atemluft. Die drastische Darstellung von Verschmutzung und Vergiftung soll und will erschrecken.

Dieses Bild hing 1972 in der Eröffnungs-Ausstellung
des neu errichteten Kreismuseums in Dormagen; Siegbert Hahn war eingeladen, zu diesem Anlass seine Gemälde zu präsentieren.

Zur Feier waren auch zwei Direktoren der Bayer-Werke Leverkusen erschienen, weil das Unternehmen auch in Dormagen Fertigungsbetriebe unterhält.  Nach dem Rundgang sprachen die Direktoren die Museumsleiterin

an und beschwerten sich über die Präsentation des Gemäldes 'Rauchzeichen':  'Es sei ein Affront gegen die Bayer-Werke.  Daher sähen sie sich leider außerstande, den mitgebrachten Scheck zu überreichen, der für das Museum als Geschenk zu seiner Gründung gedacht gewesen sei.'

Die Museumsleiterin berichtete Siegbert Hahn sogleich von diesem Missgeschick, er antwortete nur lakonisch: "Seien wir doch froh, dass von Bildender Kunst eine solche Wirkung ausgehen kann, das beweist die Güte des Bildes."


Heute jedoch, über 40 Jahre später, kann die Dramatik der schleichenden Klima-katastrophe mit der Zerstörung unserer Umwelt kaum überzeichnet werden.  Jetzt ahnt das wohl jeder.  Aber dass bereits vor 40 Jahren Siegbert Hahn die Naturbeschädigung und Umweltzerstörung in seinen Bildern vorwegnahm, wirkt heute in der Tat visionär, prophetisch.  Daher sind diese Bilder von eminenter Bedeutung.  Damals ist er ihretwegen zumeist geschmäht und ins Gesicht belächelt worden.  Aus der 'Grünen Bewegung' formierte sich die Partei 'Die Grünen' erst im Jahr 1980.

 

In fortgeschrittener Stunde
(1966) 80 x 100 cm*

Eine chemische Fabrik unter dem Erdboden, ihre Aggregate mit mensch-lichen Gesichtsmerkmalen verraten autonome Selbständigkeit.
Warum versteckt sich die Anlage ? Ist sie gefährlich oder geheim ?  Atomares Spaltmaterial wird gern solcherorts erbrütet.

Auch beklagt das Bild:  Zuviel Chemie im Boden.


'An dem ökologischen Diskurs in der Bundesrepublik, der vor allem in den siebziger Jahren entstand, beteiligen sich auch bildende Künstler.  Einer der ersten (wenn nicht gar der erste) ist Siegbert Hahn mit seinen Gemälden .. ' (Quelle: Klaus Türk, Bilder der Arbeit - Eine ikonografische Anthologie, Westdeutscher Verlag, 2000, ISBN 3-531-13358-6, Seite 358).
 
 

Bedrängter Raum
(1968) 100 x 80 cm*

Das Bild zeigt, wie sich Industrieanlagen  aggressiv ausbreiten und behütete Räume zerstören:  Sinnbild für Raubbau und Vernichtung von Lebensbereichen.



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Das graue Haus
(1968) 60 x 50 cm

Wie in eine Arche Noah hat sich die Flora in das schützende Haus zurückgezogen, um sich zu retten.

Oder umgekehrt:   Herangewachsen in Überfülle, wartet sie, um nach außen herauszubrechen.

Menschliche Gesichtsmerkmale künden von einer zukünftigen Entwicklung.

Jede Deutung ist subjektiv richtig.  In der Bildenden Kunst gibt es keine Objektivität.

 

Nach dem Sturm
(1976) 80 x 100 cm*

Der Sturm hat einen einzigen Baum, arg beschädigt, stehen gelassen.  Andere Bäume hat er geknickt.

Dunkle Wolken des Unwetters jagen weiter.  Ein Bild wie nach einem Desaster.

Wie zuletzt nach dem verheerenden Orkan 'Kyrill' im Frühjahr 2007.

 

Grosser Wirbel
(1972) 100 x 80 cm*
  
Die kreisende Bewegung ist Strukturelement der Natur, im Mikro- und Makrokosmos:  Von den subatomaren Spins bis zum Rundtanz der Galaxien und ihrer Himmelskörper.

Im Meer und in der Luft bilden sich Wirbel, mit bis zu gigantischen, Wetter bildenden Ausmaßen.

Und frei fließendes Wasser verwirbelt sich.

Der Wirbel in der Natur ist beides, gebärend und tötend. 

 

Der klagende Vogel
(1979) 60 x 50 cm


In zerstörter Landschaft hat er ein unterirdisches Refugium gefunden, um Überleben, Zukunft zu erhoffen.  Sein Ei ist taub:  Gibt es Hoffnung ?  Er klagt. 

Hier:  Das Ei, verdoppelt, als Symbol für jedwede Zukunftsperspektive.

 
Stummer Schrei
(1978) 80 x 100 cm*


Eine lebensbedrohende Gewalt hat das Wasser des Sees verdunsten lassen und beraubt den Fisch seines Lebens-raumes.

Er verendet auf dem Seeboden.  Er möchte noch den Schmerz aus sich herausschreien, doch er hat keine Stimmbänder.  Er schreit trotzdem, stumm.  Schade, dass wir Menschen nicht hören dürfen, was die Fische zu klagen hätten: 

Verschmutzung bis hin zur Vergiftung ihres Lebenselements, Überfischung, verhängnis-volle Schleppnetze, Tankerhavarie, wilde Ölverklappung, Müll / Abfallbeseitigung in Wasserläufen oder auf See ...

 

Fischfabrik
(1968) 40 x 50 cm*

Der Fisch wird zur Massenbeute des Menschen.  Seine einzige Daseinsberechtigung:  Seine fabrikmäßíge Verwertung.

Überfischung wäre die Gefahr.

 

Die Erdfrucht
(1982) 60 x 60 cm

Diese 'Globusfrucht' ist Sinnbild für unsere Erde. Sie trägt das Leben in sich. 

Wir sind auf die Erde angewiesen, es gibt nichts anderes, Adäquates. Rundherum herrscht kosmische Ferne und Kälte.

See und Baum stehen für die Kostbarkeit des Lebens, gerade weil Gefährdung und Endlichkeit angedeutet sind.

 

Verlust der Farbe
(1972) 100 x 80 cm*

Alles Farbige entweicht aus der Umgebung, aus Stadt und Land, zerschmilzt zu flüssigen Farb-tropfen, die ins Nichts fallen.

Etwas Schlimmes muss vorausgegangen sein, vielleicht eine Brandkatastrophe.

Nach den Atomblitzen waren Hiroshima und Nagasaki ein wüstes Nichts, erstarrt zu grauen kruden Brandresten.